Sunset in Kobane

2015

200,0 x 345,0 cm

Mischtechnik auf Büttenpapier

Die drei überlebensgroßen Frauen stehen dicht am Bildrand. Die Gesichter sind fahl und eingefallen, die Augen gesenkt, die Münder geschlossen. Und doch sind diese Frauen keineswegs stumm. Anklagend halten sie tote Kinder wie eine Opfergabe in ihren Händen. „Seht her, der Irrsinn des Krieges“, scheinen sie uns zuflüstern zu wollen. Trotz ihres Schmerzes wirken die Trauernden in sich ruhend, ganz bei sich, in ihrer Zeit und Welt – und sind uns doch sehr nah, berühren uns in ihrer Zerbrechlichkeit und ihrem Anmut. Im Hintergrund erkennen wir schemenhaft zerbombte Häuser und Betonruinen, einer Gitterwand gleich ragen sie in den Himmel. Aus dem Gefängnis aus Gewalt und Gegengewalt gibt es kein Entkommen. Der Name des Bildes, „Sunset in Kobane“, zieht sich in großen Lettern über die drei Papierbögen. Dadurch wird das Bild in unserer Gegenwart verortet: der Krieg in Syrien, Flucht und Vertreibung, Tod. Und doch scheint die Darstellung der trauernden Frauen mehr zu sein als nur ein tagespolitischer Kommentar. Liegt ihr nicht eine grundsätzliche Wahrhaftigkeit zugrunde? In ihrer ungeheuren Unmittelbarkeit, mit der sie die schrecklichen, immer gleichen Folgen des Krieges darstellt, egal ob in Syrien oder Afghanistan, egal ob heute oder vor fünfzig Jahren?"  

 

Günther Oberhollenzer aus „Die Zeichnung ist die Seele der Kunst“ Text zur Ausstellung: Jakob Kirchmayr - It‘s so human, Galerie Loft 8, Wien

Sunset in Kobane, Ausstellungsansicht
Ausstellungsansicht, 2015, Loft 8, Wien
Sunset in Kobane, Ausstelliungsansicht
Ausstellungsansicht, 2015, Loft 8, Wien